Krebshäufung und Mülldeponie

Der VVC arbeitet seit Oktober 2006 kontinuierlich zum Problemen der Krebshäufung im Cloppenburger Südwesten und der Mülldeponie Stapelfeld. Die folgende Presseerklärung fasst wesentliche Positionen des VVC zu den Problemen zusammen:

Krebsrisiko: Cloppenburg hat ein Riesenproblem

VVC fordert sofortige Ursachenforschung und weist den Vorwurf der
Panikmache entschieden zurüc
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Die Entrüstung des Landkreises Cloppenburg nach der Veröffentlichung der Zahlen
aus dem ,,Zwischenbericht“ des Landesgesundheitsamtes über das Krebsrisiko an der
Mülldeponie in Stapelfeld durch den Verkehrs- und Verschönerungsverein für Cloppenburger Südwesten e.V. (VVC) ist kaum glaubhaft. Die jetzt an den Tag gelegte
forsche Gangart hätte sich die betroffene Bevölkerung seit vielen Jahren bei der Sicherung und Abdichtung der stillgelegten Müllhalde und bezüglich der Ursachenforschung des erhöhten Krebsrisikos an der alten Deponie gewünscht. Die Aufgeregtheit ist in ihrem Kern nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver von den gravierenden Versäumnissen in Vergangenheit und Gegenwart. Das betrifft sowohl den Landkreis als auch die Stadt Cloppenburg.

Die schlimmen Zustände auf dem Müllhaldengelände sowie im Bereich der Mülldeponie waren nämlich schon lange bekannt.

• Die betroffene Bevölkerung und der VVC fragen: Warum haben die Mitglieder des
Stadtrates und des Kreistages, die von dem desolaten Zustand der Stapelfelder Mülldeponie wussten, nie öffentlich den Mund aufgemacht?
• Wir fragen die Mitarbeiter und Verantwortlichen des Landkreises, in deren Zuständigkeitsbereich die Müllhalde fällt: Ihnen muss doch aufgefallen sein, dass es sich
über viele Jahre hinweg um eine quasi wilde und damit gefährliche Deponie gehandelt hat, die für Jedermann, auch für Kinder, leicht zugänglich war. Das belegen
nicht zuletzt Hunderte von Fotos des VVC als auch entsprechende Fernsehaufzeichnungen des NDR vom April und Mai 2007. Warum haben Sie sich nicht vehement für eine ordnungsgemäße Sicherung und Abdichtung der Deponie stark gemacht?
• Wir fragen: Warum sind die Cloppenburger Stadtverordneten, die von betroffenen
Anwohnern der Mülldeponie über die massive Krebshäufung aufgeklärt wurden, nie
öffentlich aktiv geworden?
• Wir fragen: Warum hat der Bürgermeister der Stadt Cloppenburg, der am 06.
September 2006 von einer jungen Anwohnerin auf die überproportionale Krebshäufigkeit in der eigenen und in anderen Familien aufmerksam gemacht wurde, sich bis heute nicht bei ihr gemeldet? Das hatte der Bürgermeister der jungen Frau versprochen: ,,Die kommenden 14 Tage habe ich keine Zeit. Aber danach werden ich mich
bei Ihnen melden.“ Seither sind 15 Monate vergangen.

Die Entscheidung, die Zahlen aus dem ,,Zwischenbericht“ des Landgesundheitsamtes
zu veröffentlichen, hat sich der VVC wahrlich nicht leicht gemacht. Der schriftliche „Sachstandsüberblick“ liegt bereits seit dem 22. August 2007 vor. Dessen Kernaussage lautet: ,,Zusammengefasst zeigt sich, dass die bisherigen Auswertungen den
Verdacht, dass es in der Kernregion zu einer Erhöhung aller Krebserkrankungsformen
gekommen ist, bislang nicht widerlegen können.“ Das wird an anderer Stelle des
,,Zwischenergebnisses“ wie folgt präzisiert: „Bei den Todesbescheinigungen wurden
in fast 40 Prozent der Fälle, eine Krebs- oder sonstige Tumorerkrankung angegeben,
beim Grundleiden cirka 34 Prozent.“

Der VVC hat diese Ergebnisse über Monate hinweg vereinbarungsgemäß zurückgehalten. Erst im November 2007 wurde diese dem international renommierten Wissenschaftler und Umweltepidemiologen (Arbeitsschwerpunkt Epidemiologie der Umwelt und des Arbeitslebens) Prof. Dr. med. Rainer Frentzel-Beyme, der den VVC seit Herbst 2006 berät, vorgelegt.

Prof. Dr. med. Frentzel-Beyme, der unter anderem die epidemiologische Forschung
am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg aufgebaut sowie die ersten Auflagen des Krebsatlas herausgegeben hat, ermutigte den VVC, die Zahlen aus dem
,,Zwischenbericht“ des Landesgesundheitsamtes der Öffentlichkeit vorzustellen: ,,Sie
können im vollen Bewusstsein eines skandalösen Umgangs mit dem Problem die Daten veröffentlichen.“ Das vorgelegte Zahlenwerk weise nach: ,,Das Krebsrisiko im
Bereich der Altdeponie Stapelfeld ist mehr als deutlich erhöht.“ Und es sei ,,nicht
vorstellbar“, dass diese Daten aufgrund der zusätzlichen Ermittlungen (Abgleich der
Todesbescheinigungen mit den hausärztlichen Unterlagen sowie die postalische Befragung der weggezogenen ehemaligen Bewohner des Kerngebiets) von Grund auf
korrigiert werden müssten. Mit anderen Worten: Die vom Landesgesundheitsamt
vorgelegten Zahlen sind ausreichend belastbar.

,,Im Übrigen“, so Prof. Frentzel-Beyme, ,,erübrigen sich letzte wissenschaftliche Beweise, wenn, wie im Bereich der Mülldeponle Cloppenburg, der dringende Handlungsbedarf bereits nachgewiesen worden ist“. Schließlich sei das Landesgesundheitsamt dafür ,,eingesetzt worden“, damit es ,,noch Folgenabschätzung und den Schutz der Bevölkerung gibt“.

Vor diesem Hintergrund fragte sich der VVC: Wie lange gilt eine Absprache, obwohl
es an der Kernaussage des erhöhten Krebsrisikos im Bereich der stillgelegten Mülldeponie nichts mehr zu deuteln gibt? Wie lange sollen wir noch warten, bis die bereits seit über fünf Monaten vorliegenden Ergebnisse der Krebsbefragung endlich veröffentlicht werden? Ein Jahr? Noch länger? Können wir das mit unserem Gewissen vereinbaren?

Am Ende dieses schwierigen Diskussionsprozesses entschloss sich der VVC, die vorliegenden Daten des Landesgesundheitsamtes am 06. Dezember 2007 der Öffentlichkeit vorzustellen. Der VVC fühlt sich nämlich zuallererst den betroffenen Familien verpflichtet, nicht dem Landesgesundheitsamt und schon gar nicht den Verwaltungen des Landkreises oder gar der Stadt Cloppenburg. Bei den Letztgenannten ist nämlich zu lange nach dem Prinzip nichts sehen wollen, nicht hören wollen, nicht handeln wollen, verfahren worden.

Bestärkt fühlt sich der VVC in seiner kritischen Auffassung nicht zuletzt durch die
neuerliche unwahre Behauptung des Landkreises, die Nacherhebungen seien nunmehr erfolgt und somit abgeschlossen. Stichprobenartige Erhebungen des VVC am
08. Dezember 2007 haben nämlich ergeben: Eine große Anzahl der ehemaligen Bewohner des Kerngebiets sind nicht befragt worden. Allein 22 ehemalige Bewohner
der Gladiolenstraße sind weder vom Landkreis Cloppenburg noch vom Landesgesundheitsamt zwecks Einbeziehung in die Krebsbefragung kontaktiert worden.

Die betroffenen Anwohner und der VVC fragen den Landkreis und das Landesgesundheitsamt: Sieht so die verlässliche ,,Produktion“ von ,,belastbaren Untersuchungsergebnissen“ aus? Dann muss einem angst und bange werden. Von ,,Sorgfalt vor EiIe“ kann also wohl nicht die Rede sein!

Dem VVC ,,Panikmache“ und ,,Schüren von Angst“ vorzuwerfen, wie das der Landkreis Cloppenburg macht, ist sowohl eine Verdrehung der Tatsachen als auch eine
grobe Verniedlichung der Gesamtproblematik. Der VVC fragt: Wer hat Panik und
Angst denn verursacht? Dies hat sich doch erst nach jahrelanger Untätigkeit vonseiten der Stadt und des Landkreises Cloppenburg und den damit einhergehenden ansteigenden Risiken erst ergeben! Anders ausgedrückt: Die Panik musste nicht vom
VVC „gemacht“ werden, ganz im Gegenteil, die Realität ist weit schlimmer: Das tägliche Leiden und das überproportionale Sterben ist seit Jahrzehnten alltägliche Realität
im Bereich der stillgelegten Mülldeponie.

Richtig und zu kritisieren ist allerdings auch, dass der VVC in seiner Pressekonferenz
am 06. Dezember 2007 nicht unmissverständlich daraufhingewiesen hat, dass zusätzliche Ermittlungen mit dem Landkreis und dem Landesgesundheitsamt im Juli 2007
vereinbart worden waren.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Durch die Veröffentlichung des vom Landesgesundheitsamtes verfassten ,,Zwischenberichtes“ durch den VVC dürfte den Bürgerinnen und Bürgern von Cloppenburg deutlich geworden sein: Die Stadt und der
Landkreis Cloppenburg haben ein Riesenproblem. Jetzt gilt es unvorzüglich, die Ursachen für die überproportionale Häufung der Krebserkrankungen im Umfeld der Altdeponie zu erforschen. Damit konkrete Gegenmaßnahmen möglichst schnell umgesetzt werden können.

Jetzt ist die das Engagement derjenigen – in einer Art konzertierten Aktion – gefordert, die sich zulange für die Folgen des sogenannten Fortschritts in Cloppenburg
nicht interessiert haben: Die Mitglieder des Stadtrates und des Kreistages, die Landtags- und Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Cloppenburg, die Vertreter
der Kirchen, die Cloppenburger Ärzteschaft…

Alwin Meyer
Vorsitzender des VVC
Pressemitteilung vom 11. Dezember 2007

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