Petition

Am 07.09.2010 reichte der VVC folgende Petition beim niedersächsischen Landtag ein, welche von insgesamt 848 Personen unterschrieben worden ist und den Landtag und die Politik auffordert, sich für die Interessen der Bevölkerung in Cloppenburg einzusetzen.

Der VVC bei der Übergabe der Petition an Herrn Landtagspräsidenten Hermann Dinkla!

“Sehr geehrter Herr Dinkla,

der VVC und die von der Krebshäufung betroffene Bevölkerung wenden sich an Sie und den Petitionsausschuss des Landes Niedersachsen mit der Bitte, die Forderung der Bevölkerung bezüglich einer Ursachenforschung zu unterstützen.

Die Einleitung einer Ursachenforschung wird im niedersächsischen Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (NGöGD) § 1 und 6 geregelt. Nach § 6 des NGöGD müssen die Landkreise (hier der Landkreis Cloppenburg) Gesundheitsgefährdungen, die auf Umwelteinflüsse beruhen, untersuchen und bewerten und auf deren Verhütung und Beseitigung hinwirken.

Die Krebshäufung nur zu beobachten lehnt der VVC ab, da das Problem so nur verwaltet wird.

Nur wer die Ursache(n) der Krebshäufung kennt, kann die Bevölkerung aktiv schützen. Wer die Ursache(n) nicht erforschen will, der nimmt billigend in Kauf, dass die Bevölkerung in Cloppenburg überproportional an Krebs erkrankt und stirbt.
Weitergehende Untersuchungen sind vom ehemaligen Leiter des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes (NLGA) Herrn Windorfer bei einer nachgewiesenen Krebshäufung öffentlich versprochen worden. Zitat: „Sollte sich tatsächlich eine unerklärliche Häufung von Krebsfällen herausstellen, werde man alles tun, um den Ursachen auf den Grund zu gehen und diese auszumerzen“ (NWZ, 30.10.2006). Diese gegebene Zusage des NLGA ist bisher nicht erfüllt worden.

Zwei Gutachten haben gegenüber den Vergleichswerten eine deutliche Erhöhung der Krebsneuerkrankungen im „Teilbereich A“ (Verhältniszahl SIR 1,31 => 31%, Frauen SIR 1,45 => 45%) aufgezeigt. Die Mortalitätsrate zeigt eine statistisch auffällige Erhöhung der Krebssterbefälle in der gesamten Region (Verhältniszahl SMR 1,46 => 46% und bei den Frauen SMR 1,80 => 80%) auf. In den „Teilbereichen C und D“ ist das Risiko für Frauen um 91% bzw. 93% erhöht.

Die Aussagen
`Eine Verpflichtung für die öffentliche Hand, entsprechende Schritte zum Schutz der Bevölkerung einzuleiten, ergibt sich, wenn einerseits die Ursache einer bestehenden Gesundheitsgefährdung bekannt oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit vermutet werden kann und diese andererseits in den Zuständigkeitsbereich öffentlicher Träger fällt, d.h. z.B. im Umweltbereich zu suchen ist ` (Dr. Blömer, Landkreis Cloppenburg, 7.05.2008),
`eine Verpflichtung des Gesundheitsamtes zu einer weitergehenden Ursachenvorschung (vermag ich) nicht zu erkennen` (Herr Frische, Landkreis Cloppenburg, 14.05.2009)
`Ein sinnvoller Ansatzpunkt für vertiefende Untersuchungen konnte insgesamt nicht identifiziert werden` (Dr. med. M. Pulz, NLGA, 8.04.2009),
`ohne konkreten toxikologischen Anfangsverdacht ist eine zielführende Ursachenforschung in einem nächsten Untersuchungsschritt praktisch unmöglich` (Herr Beiler, Nied. Sozialministerium,1.12.2009):
der zuständigen Behörden zeigen auf, dass man nicht bereit ist, alle Ressourcen zu aktivieren, um mögliche Gefährdungen zu klären. Sie passen auch nicht zum Versprechen eines Herrn Windorfer und sind vor dem Hintergrund der tatsächlich festgestellten Krebshäufung inakzeptabel.
Für Herrn Dr. Pulz als Mediziner muss zweifelsfrei feststehen, dass jeder Ansatz sinnvoll ist, der die Ursache(n) der Krebshäufung aufzeigt. Außerdem sollte Herr Dr. Pulz als Arzt die Bedeutung der Promotion für die Entstehung von Krebs kennen. Die Äußerungen von Herrn Dr. Pulz sind – wenn man Verantwortung für eine Risikosituation voraussetzen muss – schwer fassbar, und dem Amt des Präsidenten des NLGA nicht angemessen.

Das NLGA (Nov. 2009) sieht. „Benzol“ und „verschiedene „Pestizide“ als Risikofaktoren (Promotionsfaktoren, Anmerkung des VVC) für die Entstehung von Krebs insgesamt. Die Verteilung der Krebsfälle über das gesamte Krebsspektrum ergibt einen Hinweis auf eine Promotionswirkung, die durch nicht bekannte Emissionsquellen hervorgerufen wird.

Herr Dr. Wollin vom NLGA stellt in seinem Kurzgutachten zur `Toxikologischen Bewertung von Emissionen aus der Deponie Cloppenburg/Stapelfeld für die nähere Umgebung“ (Hannover, 17.03.2008) auf der Seite 10 klar heraus: „Erwartungsgemäß liegen damit für alle betrachteten Stoffe (Vinylchlorid, BTEX [hierzu gehört Benzol] und Schwefelwasserstoff) ihre c im Deponierohgas zunächst z. T. sehr deutlich oberhalb der Referenzkonzentration der chronischen Exposition`.

Die anschließende Annahme von Dr. Wollin „Belastungen der Atemluft der Bevölkerung im Wohngebiet in der Folge von möglichen Deponiegasemissionen sind wegen der hohen Verdünnungsraten und vorherrschenden meteorologischen Bedingungen praktisch nicht möglich“ trifft nicht zu. Diese Annahme ist rein spekulativ und hätte mit Messwerten belegt werden müssen. Von einer hohen Verdünnungsrate zu sprechen, setzt eine Anfangskonzentration und eine Verdünnungskonstante voraus, die es nicht gibt.
Der VVC fordert daher auch weiterhin, das Gutachten von Dr. Wollin öffentlich zurückzunehmen, da das Gutachten die Unbedenklichkeit der Deponie nicht aufzeigen kann und rein spekulativ ist. Wir sind der Ansicht, dass promovierend wirkende organische Verbindungen in der Deponie sowie den Luft- und Wasserpfaden auftreten und fordern daher eine kompetentere Beurteilung der Vorgänge im biologischen multifaktoriellen Geschehen als durch das toxikologische Gutachten bisher geschehen ist. Dabei sind Dosiserwägungen unerheblich, solange die Einwirkungen andauernd erfolgen.

Somit werden eine nachvollziehbare Quelle und ein plausibles Umweltrisiko bzw. ein toxikologischer Verdacht aufgezeigt. Ob es zu einer toxikologischen Belastung oder Nichtbelastung der Bevölkerung gekommen ist, hätte mit Hilfe einer Urinanalyse nachgewiesen werden müssen. Dass dies bisher nicht erfolgt ist, ist bei der hier zu klärenden verheerenden Problematik ein schweres Versäumnis der Behörden.
Seit 1995 ist bekannt, dass Benzolexposition durch Urinanalysis sehr wohl Rückschlüsse auf eine chronische Belastung erlauben (Prof. Dr. Frentzel Beyme).

Somit ist die Schlussfolgerung des Landkreises Cloppenburg (Herr Frische) dass keine Verpflichtung für den Landkreis Cloppenburg besteht, eine Ursachenforschung einzuleiten, nicht zutreffend, da aufgrund der Deponiegase ein Umweltrisiko vorliegt. Der VVC und die Unterzeichner der Petition sehen einen klaren Verstoß gegen das „Niedersächsische Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (NGöGD § 1 und 6) hier vvorliegen.

Sehr geehrter Herr Dinkla, setzen Sie sich bitte dafür ein, dass im Sinne der Bürger, die die Petition unterschrieben haben, eine Ursachenforschung eingeleitet wird.
Dass heißt konkret, Abklärung des Krebsrisikos (besonders für Frauen), genaue Messungen der Ausgangskonzentrationen (Emissionen) der Deponiegase, personennahe Messungen der Immissionen (im Wohnumfeld der Bürger), Nachweis der chronischen Belastung der Bevölkerung mit diversen Schadstoffen (nicht nur Benzol), Neubewertung der bisherigen Betrachtungen unter Berücksichtigung der Promotion (von der Krebsentstehungstheorie geht es hier um Promotion (und nicht um Initiation, da Initiationsfolgen zumeist repariert werden können) (Prof. Dr. Frentzel Beyme), Errichtung einer Messstation im Untersuchungsgebiet zur Erfassung vorhandener Schadstoffe in der Luft, regelmäßige (kostenlose) Vorsorgeuntersuchung der Bevölkerung sowie Sofortmaßnahmen zur Reduzierung von Emissionen im Umfeld der Deponie.

Mit freundlichen Grüßen

Franz-Josef Hermes (1. Vorsitzender) ,Bernd Hinrichsmeyer (Vorstandsmitglied) , Dieter Thomée (Schriftführer),”

und weitere 845 Personen, die Sie auffordern, für die Bevölkerung in Cloppenburg aktiv zu werden.

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